Ein Blog aus Hamburg über Hamburg. Eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen Treibens. Es geht um die Menschen und die Ereignisse in der Hansestadt. Die komischen Menschen und die komischen Ereignisse. Kleine Ereignisse in der großen Stadt. Leise Töne in einer lauten Umgebung. Amüsant, unterhaltend, manchmal wirr. Eben 'Tüdelkram from Hamburg'.



9. April 2015

Wie die Zeit vergeht

Aufgrund erschreckender Beobachtungen im Großstadtdschungel unterbreche ich das Schweigen in diesem Blog...

Es ist ja so: man wird nicht jünger! Frau schon mal gar nicht. Mann aber auch nicht. Von wegen "bestes Alter" und so. Blödsinn! Sicherlich gibt es da ein paar Exemplare, alle um die 50 Jahre alt, die in der Tat was hermachen. Keine Frage. Aber sind wir doch mal ehrlich: diese Jungs und Mädels sahen auch mit 20 schon zum Niederknien aus. In Einzelfällen sogar noch besser. Es ist ja nun mal nicht gerade so, dass der Mensch 49 Jahre als Blobfisch vor sich hinvegetiert und am 50. Geburtstag plötzlich zum Adonis mutiert.

Die Vergänglichkeit und der unvermeidliche Verfall werden dem Durchschnitts-Otto und der Mittelmaß-Ottilie also im Normalfall tagtäglich bewusst. Und manchmal wird sie einem ungefiltert vor Augen geführt. Beispielsweise bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel.

So trug es sich zu, dass ich selbst (nebenbei bemerkt noch ein paar beruhigende Jahre von der 50 entfernt) eines schönen Tages einen Bus der Linie 114 betrat und alsbald meinen Augen nicht traute. Da saß doch glatt ein etwa 16-jähriger Dreikäsehoch hinterm Steuerrad und wollte meinen Fahrausweis sehen. Ich musste mich arg beherrschen, dass ich ihn nicht nach seiner Fahrerlaubnis fragte. Oder dem Personenbeförderungsschein. Und wo war eigentlich die volljährige Begleitperson?
»Wissen Deine Eltern eigentlich, was Du hier machst?«, hätte ich ihm beinahe zugerufen.
Unglaublich!

Würde dieser 14-jährige Teenager Taxi fahren...okay...da kann man sicher sein, dass eigentlich immer eine erwachsene und verantwortungsbewusste Person neben ihm sitzen würde. Aber in einem Bus ist das doch gar nicht garantiert! Möglicherweise befinden sich lediglich seine Klassenkameraden auf dem Weg zur Schule im Gefährt. Oder halbblinde Senioren am Krückstock, die ausnahmslos damit beschäftigt sind, nicht vom Sitz zu fallen.

Beim Verlassen des Busses warf ich noch mal einen Blick auf den Kleinen. Tatsächlich höchsten 12 Jahre alt. Wahnsinn!

Quelle: nwzonline.de

Doch damit nicht genug. Einige Zeit später betrat ich einen scheinbar gewöhnlichen Kiosk im Stadtteil Hamm, um mir Zigaretten zu kaufen. Hinterm Tresen wartete ein, ich schätze mal etwa 11-jähriger Junge auf meine Bestellung. Zögerlich und unsicher verlangte ich nach dem Tabakprodukt und wollte bereits hinterherwerfen, dass das nur was für Erwachsene sei und er niemals damit anfangen sollte. Außerdem überlegte ich, wie ich ihm einigermaßen schonungslos erklären konnte, was Zigaretten überhaupt sind. Doch siehe da: der Grundschüler griff beherzt und zielsicher ins Regal und präsentierte die gewünschte Packung mit den Worten »Is´n neues Design. Sonderaktion. Und ´ne Kippe mehr drin.«

Erneut ungläubiges Staunen meinerseits. Da erklärt mir ein 8-jähriger die Marketingstrategien der Tabakindustrie.

Aber okay, solange sich die Kinderarbeit auf das Dienstleistungsgewerbe beschränkt, kann ich wohl noch einigermaßen gut damit leben. Doch ich möchte bereits vorwarnen: sollte mir ein 10-jähriger Arzt Vorträge über mein Sexualleben halten oder aber ein zukünftiger Chef im Alter von 13 meinen beantragten Urlaub nicht genehmigen, dann, so war ich hier am Schreibtisch sitze, lege ich die Burschen über´s Knie!

Kommentare:

  1. Du erlebst ja einiges auf der Buslinie 114 - ist das nicht gleich die Notruf Nummer? LG, vutiroth

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  2. Moin vutiroth!

    Würde gut passen :-) Aber nicht ganz: 112 ist die besagte Nummer.
    In der Schweiz nicht?

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