Ein Blog aus Hamburg über Hamburg. Eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen Treibens. Es geht um die Menschen und die Ereignisse in der Hansestadt. Die komischen Menschen und die komischen Ereignisse. Kleine Ereignisse in der großen Stadt. Leise Töne in einer lauten Umgebung. Amüsant, unterhaltend, manchmal wirr. Eben 'Tüdelkram from Hamburg'.



26. Oktober 2015

Gegen das Vergessen

Selbst wenn ich wollte, ich könnte nicht mit der Berichterstattung über den Hamburger Personennahverkehr aufhören. Unmöglich! Die teils haarsträubenden Ereignisse und Vorkommnisse drängen sich zu sehr auf, stauen sich auf, wollen raus. Bilder, die man einfach nicht vergessen kann, brennen sich quasi in die Pupillen ein. Worte, die in völlig unvorstellbaren Konstellationen und/oder Situationen fallen, nisten sich im Gehörgang ein und hallen noch Ewigkeiten später wie Echos nach.

Die Mission ist klar: der oder die (oder das?) Leser respektive Leserin darf nicht vergessen, was für Gestalten tagtäglich in Bussen und Bahnen anzutreffen sind. Die Leute müssen vorbereitet sein, um die Geschehnisse verkraften zu können. Um es poetischer auszudrücken: Kopfhörer sind keine Schutzwesten! Der Wahnsinn ist unaufhaltsam!
Aber lest selbst...

Wir behandeln heute ein einigermaßen harmloses Thema. Überschrift: Dummheit!
Ein junges Pärchen in der U1 Richtung Norden. So ungefähr der Abschnitt zwischen Alsterdorf und Ohlsdorf. Eigentlich nicht viel Zeit für Schwachsinn. Und doch, es geht.
Nach einer gefühlten Ewigkeit von Geknutschte, Gelecke und Gesäusel (kotz!) wird es bei den beiden Verliebten noch schlimmer: sie beginnen eine Unterhaltung (worst case, zu deutsch: GAU, ugs. auch Super-GAU).

Er: Rate mal, wie viel mein Kollege für seine Wohnung in Barmbek bezahlt.
Sie: Hm...viel oder wenig?
Er: Rate mal!
Sie: Ist das denn viel oder wenig?
Ich: NUN RATE ENDLICH!!!

- contenance! -
Und jetzt Achtung, sie rät tatsächlich:

Sie: 400?
Er: Weniger!

Kurze Pause!
Wir halten fest: ihr erster Tipp war 400,- Euro. Sein erster Hinweis lautet (Zitat) "weniger".
Man muss nicht unbedingt Mathematik studiert haben, um zu erkennen, dass es nun etwa 399 verschiedene Antwortmöglichkeiten gibt. Zumindest wenn man davon ausgeht, dass der Kollege wenigsten 1 Euro bezahlt und sicher auch kein Geld dafür bekommt, dass er irgendwo wohnt.
Theoretisch sind natürlich noch unzählige andere Antworten zulässig. Beispielsweise 247,98 Euro. Aber wir setzen hier mal voraus, dass der Liebste in so einem Fall auch die Antworten 247 und/oder 248 gelten lassen würde.
Zugegeben, unter Berücksichtigung der aktuellen Verhältnisse des Wohnungsmarktes gibt es sicherlich nur ca. 200-250 realistische Antwortmöglichkeiten. Aber das sind ja immer noch genug. Sollte man meinen...

Sie: 800?


Dito...

Kurze Stille.
Ich weiß, es ist anatomisch unmöglich, aber ich schwöre, dass sich in diesem Moment sämtliche meiner inneren Organe gleichzeitig mit der flachen Hand an die Stirn schlugen. In Folge dessen wurde mir kurz schwindelig und ich hatte das Gefühl, spucken zu müssen.
Ihr herzallerliebster Knutschi-Kuschel-Hase aber blieb erstaunlich ruhig (Gewohnheit?).

Er: Nein, weniger!

Möglicherweise langweilt Euch die mathematische Herangehensweise an dieses Gespräch bereits, aber es ist leider unabdingbar, will man denn das ganze Ausmaß der Unzulänglichkeit verstehen.
Also: Tipp 2 lautete, warum auch immer, 800 Euro. Der nächste Hinweis war - Überraschung - "weniger".
Und jetzt wird´s natürlich tricky: die Gehirnkapazität von Pupsi-Knuddel-Mäuschen ist ja bereits voll am Anschlag. Die Frage ist nun: kann sie sich erinnern, dass zuvor bereits die Information floss, dass der Preis auch unter 400,- Euro liegt?
Die Spannung steigt...

Sie: 450?

Kein Kommentar!
Wie der HSV im UI-Cup gegen Montpellier: die Elfmeter landeten überall, nur nicht im Tor.
Ach, schon ärgerlich. Und auch noch so knapp!

Ich selbst kämpfte nun mit den Tränen. Das lag aber auch daran, dass sich mein Gehirn nach rechts und links ausbreitete, um meine Ohren zu verschließen.
Aus diesem Grunde entging mir dann leider, oder besser: Gott sei dank, die restliche Unterhaltung. Irgendwann vernahm ich noch die Auflösung des Ratespiels (190,- Euro, Anm.d.Red.), ehe Miss Quiz 2015, ausgezeichnet mit dem Günni Jauch Gedächtnis-Pokal, den Zug verließ.

An dieser Stelle hätte ich mich eigentlich gern zu dem jungen Mann hinüber gebeugt und ihn einen Moment lang mitleidig angesehen. Und wenn er gefragt hätte, was denn los sei, hätte ich folgendes gesagt:
"Rate mal, wie hoch der IQ Deiner Freundin ist."
Und in dem Moment, als er den Mund öffnen will, geschrien: "WENIGER!"

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