Ein Blog aus Hamburg über Hamburg. Eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen Treibens. Es geht um die Menschen und die Ereignisse in der Hansestadt. Die komischen Menschen und die komischen Ereignisse. Kleine Ereignisse in der großen Stadt. Leise Töne in einer lauten Umgebung. Amüsant, unterhaltend, manchmal wirr. Eben 'Tüdelkram from Hamburg'.



4. August 2013

Sommer, Sonne, Schildkröte

Hamburg schwitzt.
Ganz Hamburg? Ja, ganz Hamburg. Und freut sich.
Ganz Hamburg? NEIN! Ein unbeugsamer Bewohner hört nicht auf, dem allgemeinen Hype Widerstand zu leisten. Erfolglos...



Also muss ich da wohl durch. Und auch wenn es heute wieder einmal so dermaßen schwül ist, dass ich mich echt zusammenreißen muss, dass ich keine schlechten Wortwitze in Anspielung auf die gestrigen Feierlichkeiten zum Christopher Street Day raushaue, setze ich mich also doch mal wieder vor den ebenfalls Wärme ausstrahlenden Laptop (die Vorsätze in Sachen Wortwitz haben ja lange gehalten) und erkläre die Blog-Sommerpause vorrübergehend für beendet.

In nahezu allen Wetterberichten wird von Hitzerekorden und Jahrhundertsommer geredet. Dafür, dass das aktuelle Jahrhundert gerade mal dreizehn Jahre alt ist, eine durchaus gewagte These, aber im Kern wohl nicht ganz unberechtigt. Gerüchten zufolge war es zuletzt vor mehr als tausend Jahren so heiß. Von der Hitze offenbar völlig verwirrt, sollen seinerzeit drei Männer in Israel Holzkreuze durch ihr Dorf getragen haben und wurden dabei von den übrigen Dorfbewohnern angefeuert. Irgendwer hat darüber wohl auch ein Buch geschrieben. Keine Ahnung. Jedenfalls soll dieses skurrile Schauspiel Vorreiter verschiedener, heutzutage bekannter, Events sein, wie beispielsweise Weihnachten, Ostern und dem Triathlon. Auch Redewendungen wie zum Beispiel "Jeder hat sein Kreuz zu tragen." oder auch "Du kannst mich mal kreuzweise!" sollen darauf zurück gehen. Aber vielleicht bringe ich da auch was durcheinander.

Na jedenfalls ist es momentan echt warm. Allerdings bietet dieser Umstand durchaus interessante, neue Möglichkeiten. Am vergangenen Freitag, im Büro, kam mir so die Idee zu einem amüsanten Zeitvertreib für die Mittagspause: durch geschicktes Drehen und Wenden auf dem Bürostuhl müssen die Schweißtropfen, die dem Achselbereich entspringen, geschickt bis in den Bauchnabel gelenkt werden. Übergewichtige Menschen und Frauen (ab Körbchengröße C) erhalten in Anbetracht der auf dem Weg zu überwindenden Hindernisse pro Treffer einen extra Punkt. Ein voller Bauchnabel gibt zwei extra Punkte. Wichtiger Hinweis des Erfinders: alleine spielen ist doof und sieht blöd aus.

An dieser Stelle möchte ich aber mal ein kleines, ein klitzekleines, Lob an den viel gescholtenen HVV aussprechen. Die Klimaanlagen der Busflotte sind wirklich großartig. Ist man beim Einsteigevorgang mit einem Bein noch draußen im Dschungel am Amazonas, so befindet sich das andere Bein bereits mitten im winterlichen Sibirien. So ganz optimal ist eine derartige Temperaturregelung natürlich auch nicht, insbesondere im Hinblick auf das unausweichliche Aussteigen aus dem Gefährt. Aber nichtsdestotrotz bin ich ein Fan dieser fahrenden Kühlschränke geworden.
Ganz anders verhält es sich da ja mit den S- und U-Bahnen. Diese erinnern eher an rollende, finnische Saunen. An jeder Station erwartet man eigentlich Angestellte der Hochbahn-Wache oder des Prüfdienstes, die mit Kelle und Eimer eintreten und fragen, ob ein Aufguss gewünscht ist.
Aber auch hier zeigt der HVV, zumindest im Ansatz, Besserung. Und zwar in Form der neuesten U-Bahn Züge des Modells DT5. Durchgängig begehbare Fahrzeugeinheiten, Klimaanlage, verdunkelte Scheiben...ein paar Tricks und Kniffe für bessere und kühlere Luft in den Waggons haben sich die Verantwortlichen schon einfallen lassen.
Eher kontraproduktiv stellt sich hier jedoch die automatische Türsteuerung dar. Diese schließen sich nämlich nach einer gewissen Zeit ganz von alleine und ohne ersichtlichen Grund. Einfach so. Der Hintergrund ist natürlich, dass man auf diese Weise Energie(kosten) sparen will. Die heiße Luft des Sommers sowie die kalte Luft des Winters haben nämlich kein Ticket gelöst und sollen daher draußen bleiben. Macht also schon Sinn. Allerdings wirkt dieser Prozess auf die meisten Hamburger noch sehr irritierend. Denn in erster Linie bedeutet eine sich automatisch schließende Bahn-Tür hier bei uns im Norden nur eines: der Zug fährt gleich los!
Es ist wohl überflüssig zu erwähnen, dass eine Vielzahl meiner Mitbürger aufgrund dieses Missverständnisses unnötige, körperliche Anstrengungen auf sich genommen haben um noch schnell den Zug zu erreichen...um kurz darauf dann etwas peinlich berührt in einer verlassenen Ecke des DT5 vor sich hin zu schwitzen und auf die Abfahrt zu warten.

Der aktuellen Hitzewelle schreibe ich auch die folgende, amüsante Beobachtung zu.
Es trug sich eines schönen, warmen Morgens zu, als ich wie gewohnt im Halbschlaf vor dem Fernseher saß und zum Wachwerden das Frühstücksfernsehen eines Privatsenders über mich ergehen ließ. Ein derartiges Programm ist für den Halbschlafenden ja das, was für den Toilettenbenutzer die Regenbogenpresse ist: passende Unterhaltung.
Und in eben dieser Sendung sprach eine der Moderatorinnen einen, wie ich finde, durchaus mutigen Satz aus. Und zwar verkündete sie vor laufenden Kameras, dass ihre Schildkröte entlaufen sei. Ihre Schildkröte!
Also ich bin ja selbst nicht gerade für Schnelligkeit oder Sportlichkeit berühmt, aber ich wage zu behaupten, dass ich mit der Flexibilität und der Geschwindigkeit einer Schildkröte gerade so eben noch mithalten könnte. Dass dem Reptil dennoch die Flucht gelingen konnte, kann also nur an der, die Moderatorin lähmenden, Hitze gelegen haben. Vermute ich mal so.
Ganz spontan fällt mir zu dieser Thematik noch ein netter Witz ein:
Eine Schildkröte wird von zwei Schnecken überfallen und verprügelt. Sie schleppt sich daraufhin zur Polizei und will Anzeige erstatten. Die Polizisten fragen, ob sie denn die Täter beschreiben könnte. Darauf die verzweifelte Schildkröte: "Wissen Sie, Herr Wachtmeister, es ging ja alles so schnell..."
Aber das nur am Rande.

Zum Abschluss möchte ich noch kurz und ernsthaft daran erinnern, bei diesen Temperaturen viel zu trinken. Wird ja gerne mal vergessen.
Aber Obacht: nicht jedes Getränk ist hier hilfreich. Am vergangenen Donnerstag zum Beispiel entschied sich ein junger Mann in Hamburg für Bier und ähnliches. Das Ergebnis: Nachmittags um 15 Uhr stürzte er im Beachclub "StrandPauli" vom Geländer, nahm unterwegs noch einen Metallbalken mit und landete nach zehn Metern Flugstrecke mit einem offenen Unterschenkelbruch in der Elbe (nachzulesen auf mopo.de). Die restlichen Sommertage wird er voraussichtlich im Krankenhaus verbringen.
Also dann bitte doch lieber auf Wasser, Tee oder hochprozentige Cocktails wie zum Beispiel "Zombie" zurückgreifen. Letzterer macht einen bei diesem Wetter nämlich so fertig, dass man gar nicht mehr in der Lage ist, irgendwelchem Blödsinn nachzugehen.


Kommentare:

  1. Herrlich. :D Besonders die entlaufene Schildkröte, der Brüller des Tages.

    Viele Grüße
    ACunicorn

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    1. Ja, genau das hatte ich auch gedacht :-)

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  2. Gehöre zu jenen Menschen, die alles was über 25° C ist als zu heiss finden. An den Stränden oder der Wiese bei praller Sonne wie die Sardinen zu liegen, ist auch nicht so mein Ding...

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    1. 25 Grad finde ich auch völlig ausreichend. Dann meinetwegen sogar gerne am Strand...aber da ist man als Großstädter ja leider so selten (unseren schicken Elbstrand zähle ich jetzt mal nicht dazu).

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  3. Haha, der Anfang is grandios.. Da fällt mir ein: ich hab ausnahmslos alle alten Asterix Heftchen von meinem Daddy geschenkt bekommen. Die sollte ich mal wieder entstauben :)
    Und ich fand meine letzten Tage (fürs erste) in Hamburg in der Hitze grandios :) Stadtparksee, Elbstrand, n Milkshake bei Meatpackers den ein oder anderen Abend! Aber das konnte ich mir natürlich auch nur in meiner Freizeit leisten!

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    1. Die Asterix-Inspiration kann ich wohl nicht leugnen.
      In diesem Sommer habe ich mich auch verhältnismäßig oft an Alster und Elbe blicken lassen. Für solche Unternehmungen ist das Wetter natürlich dann doch ganz ok, muss ich zugeben ;-)

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