Ein Blog aus Hamburg über Hamburg. Eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen Treibens. Es geht um die Menschen und die Ereignisse in der Hansestadt. Die komischen Menschen und die komischen Ereignisse. Kleine Ereignisse in der großen Stadt. Leise Töne in einer lauten Umgebung. Amüsant, unterhaltend, manchmal wirr. Eben 'Tüdelkram from Hamburg'.



20. August 2013

Sportlicher Albtraum

Da isser wieder, Digga!
Ja, er lebt noch!
Urlaub? Kreative Pause? Stromrechnung nicht bezahlt?
Alles falsch! Genau genommen habe ich eigentlich nur...vor mich hingelebt. Muss auch mal sein. Gibt ja auch genug zu tun. Die Miete abwohnen. Die GEZ-Gebühren abgucken. Die Lebens- und Haftpflichtversicherungen ausreizen. Und, und, und...
Und Sport! Ja genau, seit ein paar Tagen bin ich sportlich unterwegs. Und ich meine nicht nur Poker und Darts. Ich rede von echter, anstrengender Bewegung.



Allerdings muss ich ehrlicherweise gestehen, dass ich mich noch ganz am Anfang befinde. Sozusagen klein angefangen. Aktuell befinde ich mich in Stufe zwei meines Dreistufenprogramms. Im Detail sieht das Ganze so aus:

Stufe 1: Treppe statt Fahrstuhl
Dabei beschränke ich mich allerdings nur auf mein Wohnhaus. Aber was heißt hier "nur"?! Schließlich wohne ich im fünften Stock! Da kommen schon so einige Höhenmeter zusammen. Insbesondere wenn man diese Bergtour aufgrund von Einkaufsabsichten, Wäschereinigung oder Müllentsorgung gleich mehrmals täglich auf sich nimmt. Kompliment an mich selbst.
Begonnen habe ich Stufe 1 in der letzten Woche. Und sie dauert noch so lange an, bis die verdammte Fahrstuhlinspektion endlich vorbei ist!

Stufe 2: Spaziergang statt Bus
Um morgens meine heimische Bahnstation zu erreichen, muss ich noch eine nicht zu unterschätzende Strecke von 1,3 Kilometern (gem. Google Maps) zurücklegen. Hierfür benutzte ich für gewöhnlich den Bus. Doch seit ein paar Tagen lasse ich diesen links liegen (in Anbetracht lokaler und realistischer Rahmenbedingungen müsste es korrekterweise eigentlich "rechts stehen lassen" heißen...aber egal) und bewältige die Tour ganz alleine mit Hilfe meiner jahrelang vernachlässigten Beinmuskulatur. In Anbetracht der derzeit überwiegend guten Wetterverhältnisse lassen sich die Strapazen und Anstrengungen auch gleich viel leichter ertragen.
Stufe 2 habe ich fast zeitgleich mit Stufe 1 begonnen. Sie dauert noch so lange an, bis sich der verdammte, allmorgendliche und scheinbar immer schlimmer werdende Mega-Stau vor meiner Haustür endlich in Luft aufgelöst hat!

Stufe 3: Regeneration
Diese Phase meines Trainingsprogramms beginnt, sobald die ersten beiden Stufen abgeschlossen sind und wird voraussichtlich bis zum Ende des Jahres andauern!

Ehe ich mich nun von den sportlichen Aktivitäten des heutigen Tages erhole und erschöpft aufs Sofa fallen lasse, möchte ich noch schnell ein rätselhaftes, menschliches Verhalten ansprechen, das mir heute zum wiederholten Male unter die Augen gekommen ist.

Um folgende Szenerie geht es dabei: eine x-beliebige U-Bahn Station in Hamburg, der Bahnsteig ist voll. Übervoll um genau zu sein. Der ortskundige, designierte Bahnfahrer, der um die Ecke kommt, merkt sofort: hier stimmt was nicht. Und die schlimmsten Befürchtungen bestätigen sich. Eine oder womöglich gleich mehrere Bahnen sind ausgefallen beziehungsweise aufgehalten worden und unzählige Wagenladungen an Passagieren stehen sich nun auf einem vermutlich kilometerlangen Streckenabschnitt gegenseitig auf den Füßen. Und nicht nur das: die allererste Bahn, die auf diesem Streckenabschnitt dann irgendwann endlich wieder unterwegs ist, platzt ebenfalls aus allen Nähten.
Und nun folgt das Rätselhafte.
Die bereits erwähnte, übervolle Bahn fährt in den Bahnhof ein. Man sieht rechts und links bereits um Hilfe ringende Hände und nach Wasser hechelnde, meterlange Zungen aus den Fenstern baumeln. In genau diesem Moment ertönt ein markanter Gong aus den Lautsprechern des Bahnhofes, der für gewöhnlich mehr oder weniger wichtige An- und Aussagen hinsichtlich des laufenden Bahnbetriebs ankündigt. Und die an dieser Stelle folgende Ansprache beinhaltet die Information, dass der nächste Zug in einer Minute folgt. Also in 60 Sekunden!
Und auch auf die Gefahr hin, dass ich dem einen oder anderen jetzt die Spannung verderbe, möchte ich hier anmerken, dass diese Ansagen tatsächlich richtig und verlässlich sind. Wenn man wirklich Pech hat, muss man vielleicht mal 90 Sekunden warten. Oder, Gott bewahre, 120 Sekunden. Aber mehr nicht. Wirklich!

Man sollte doch jetzt eigentlich meinen, dass die Mehrzahl der Wartenden folgendes denkt:
"Ach so, in einer Minute folgt schon die nächste Bahn. Und diese hier ist ja schon sehr voll. Na, da warte ich doch diese eine, kleine Minute und nehme dann die nächste, viel weniger gefüllte Bahn. Ist doch viel entspannter. Und diese eine Minute bringt mich ja nun nicht um. Die Zeit habe ich gerade noch."

Aber in Wirklichkeit denkt die Mehrzahl der Wartenden offensichtlich folgendes:
"ICH MUSS DA REIN !!!"

Und so quetschen und drängen sich die Verrückten in die Waggons und man wartet bereits sehnsüchtig darauf, dass gleich die Scheiben aus den Fensterrahmen fliegen und die Seitenwände wegklappen. Heute fiel sogar ein junges Mädchen fast wieder rücklings auf den Bahnsteig zurück. Aber auch dieser Beinahe-Unfall ließ sie nicht an der Richtigkeit ihrer Entscheidung, in ausgerechnet dieser Bahn mitfahren zu müssen, zweifeln.

Ein ähnliches Verhalten beobachtet man ja auch ganz gerne mal an den Boarding-Schaltern in Flughäfen, wenn sich unzählige Fluggäste bereits Minuten vor der offiziellen Boarding Time (die nebenbei bemerkt bekanntermaßen so gut wie nie eingehalten wird) in einer langen Schlange vorm Schalter einreihen.
Oder auch auf vielbefahrenen Großstadtkreuzungen, wenn gleich eine Vielzahl von Kraftfahrzeugen mitten auf der Kreuzung parkt und damit den fließenden Verkehr in sämtliche Richtungen effektiv verhindert.

Quelle: Google

Man kann eigentlich nur hoffen, dass diese ganzen Wahnsinnigen nicht irgendwann mal zur selben Zeit mit der Bahn zum Flughafen reisen, nach London fliegen und dort dann mit dem Mietwagen ins Stadtzentrum fahren wollen.
Nightmare on Downingstreet!
 

2 Kommentare:

  1. Zuerst war ich stolz, dass Du diese beschriebenen zwei Stufen in deinen eh schon sehr bewegungsarmen (Büro)Alltag eingeplant hast, dann in der nächsten Sekunde war ich enttäuscht, weil du sie doch nicht wirklich "freiwillig" machst (Fahrstuhlinspektion, Stau etc.) Maddin, wo ist denn dein Wille?

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    1. DAS ist eine gute Frage!
      Aber wer weiß, vielleicht gewöhne ich mich noch an die eigentlich ungewohnten Bewegungsabläufe und starte sogar nebenbei einen "Sport & Fitness Blog" ;)

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