Ein Blog aus Hamburg über Hamburg. Eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen Treibens. Es geht um die Menschen und die Ereignisse in der Hansestadt. Die komischen Menschen und die komischen Ereignisse. Kleine Ereignisse in der großen Stadt. Leise Töne in einer lauten Umgebung. Amüsant, unterhaltend, manchmal wirr. Eben 'Tüdelkram from Hamburg'.



4. Januar 2014

Zeit für Erinnerungen

Erinnerungen sind durchaus wählerisch. Sie bleiben nicht einfach so. Manche denken nicht mal eine Sekunde daran, bei uns zu bleiben. Sie huschen einfach so vorbei. Manch eine sagt vielleicht noch kurz "Hallo", aber das war´s dann auch schon. Man darf gerne darüber diskutieren, ob es sich dann überhaupt noch um Erinnerungen handelt. Aber das ist jetzt nebensächlich.
Andere wiederum bleiben für immer. Ob man will oder nicht. Ist denen ganz egal. Sie bleiben einfach. Sie richten sich richtig ein, ziehen ein. Suchen eine Tapete aus, kaufen ein Sofa und so. Manche würde man bestimmt gerne loswerden, vergessen. Doch sie sind da und sie bleiben.

Unser Gedächtnis leistet hier in jedem Fall ganze Arbeit.
Funktioniert ähnlich wie mit einer interessanten Internetadresse, die wir zu den Favoriten hinzufügen. Es könnte ja sein, dass wir das alles noch mal brauchen werden. Oder einfach nur, weil es eben wichtig ist.

Manch einer kann mit diesen Erinnerungen grundsätzlich nicht viel anfangen. Sie wehren sich scheinbar mit Händen und Füßen dagegen. Solche Leute reden immer von der Zukunft oder wenigstens dem Hier und Jetzt. Sie schauen aus Überzeugung nicht zurück. Mit dieser Argumentation sagen sie dann zum Beispiel Klassentreffen oder Jahresfeiern ab. Ist natürlich ihr gutes Recht. Aber es ist natürlich auch totaler Blödsinn.
Denn auch sie haben diese Erinnerungen. Ob sie wollen oder nicht. Genau wie alle anderen.


Und ganz egal, wie man nun dazu steht, in bestimmten Momenten erinnern sich alle. Meistens, wenn etwas zu Ende geht.
Das Leben zum Beispiel. Man erinnert sich dann an den verstorbenen Menschen. Und diese Erinnerungen werden mit einem Schlag sehr wichtig, weil es das einzige ist, was bleibt. Und weil keine mehr hinzu kommen werden. Zwangsläufig, typisch Mensch, wird das beendete Leben meistens noch bewertet. War es ein glückliches, erfülltes Leben? Oder ein schweres, viel zu kurzes Leben?
Im Fall des Lebens der 3-jährigen Yagmur aus Hamburg-Billstedt dürfte diese Bewertung sehr einfach und gleichermaßen traurig sein. Sie starb am 18. Dezember an inneren Blutungen. Alles deutet darauf hin, dass ihre Eltern sie misshandelt haben.
Das Leben des 13-jährigen Lorenz aus Hamburg-Blankenese hingegen dürfte sicherlich sehr viel schöner gewesen sein. Aber ebenfalls viel zu kurz. Er ertrank nach einem Bootsunfall am 19. April in der Alster.
Nicht weniger tragisch endete auch das Leben des 7-jährigen "Effi" aus Hamburg-Harburg. Er wurde am 19. Mai von einem mobilen Fußballtor erschlagen.

Aber auch bei banalen Dingen funktioniert dieses Schema. Sport zum Beispiel. Eine Menge Menschen werden sich sicherlich noch lange und positiv an den Champions-League-Sieg der Handballer vom HSV Hamburg am 2. Juni erinnern.
Ebenso eingebrannt ins Gedächtnis vieler hat sich bestimmt auch die historische 2:9 Pleite der Fußballer vom HSV am 30. März in München.

Ähnlich zwiespältig wie die sportlichen Erinnerungen kommen auch andere daher. Beispielsweise wenn man an die Gartenschau oder den Kirchentag zurück denkt. Einige werden sich noch lange und gerne daran erinnern, andere vermutlich eher nicht so.

Oder das Wetter. Ist ja eigentlich immer Thema. In letzter Zeit jedoch hat es verstärkt auf sich aufmerksam gemacht. Christian, Xaver, Dauerwinter, Supersommer und wie sie alle hießen.

Tja, es dauert meist nicht lange und man ist nach einem verheißungsvollen Anfang ganz schnell wieder beim Thema Wetter und einem gewöhnlichen Jahresrückblick angelangt. Wie im wahren Leben: man nimmt sich viel vor, startet motiviert und am Ende ist alles doch wieder wie immer. Oder nicht?

Das muss und kann natürlich nur jeder für sich selbst entscheiden. Für die einen war es ein tolles Jahr, für die andere war es ein mieses Jahr. Wie immer halt.
Einige Sachen werden wir lange Zeit in Erinnerung behalten. Manche Dinge sicherlich nicht. Wieder andere Momente haben wir vermutlich jetzt schon vergessen. Das Jahr ist Geschichte. Es ist unsere Geschichte. Egal, ob gut oder schlecht, es gehört dazu.


Am Ende ist jede Menge Zeit vergangen und wir schauen zurück und überlegen, was wir daraus gemacht haben.
Es gibt natürlich Dinge, die passieren einfach. Dagegen können wir nichts unternehmen. Das ist halt Schicksal, Zufall, höhere Gewalt, wie auch immer. In solchen Fällen ist meist nur Zeit für Trauer. Und das ist auch richtig so. All jenen, die sich jetzt angesprochen fühlen, möchte ich mein Mitgefühl aussprechen. Haltet durch! Man mag jetzt vielleicht nicht glauben, dass alles wieder gut wird, aber es wird ganz sicher irgendwann wieder besser. Die Zeit wird helfen.

Aber auch ohne Schicksalsschläge und andere Katastrophen kann einem das vergangene Jahr schlecht in Erinnerung bleiben. Und es ist gut möglich, dass das nur an uns selbst liegt. Wie sagt einer meiner Brüder immer so schön, wenn ich etwas, seiner Meinung nach, Unwichtiges erzähle: "Du weißt schon, dass unsere Lebenszeit begrenzt ist, oder?!"
Bezogen auf meine stets (!) wahnsinnig interessanten (!) Erzählungen ist das natürlich eine bodenlose Frechheit, aber im Hinblick auf das Leben an sich hat er natürlich Recht. Carpe diem - nutze den Tag! Nutze die Zeit!
Wer sich jetzt angesprochen fühlt, hat sicherlich auch einige gute Vorsätze für das neue Jahr gefasst. Das ist ein guter Anfang. Ich gebe lediglich zu bedenken, dass es manchmal nicht ausreicht, ein paar Kilo abzunehmen, weniger zu rauchen oder mehr Geld zu spenden. Die Probleme finden sich nämlich gerne mal in den etwas größeren Dingen. Der Job, die Beziehung, die Freunde, die Wohnung...möglich, dass der Hund dort irgendwo begraben liegt. Man sollte gut darüber nachdenken, ob es einem wirklich Spaß macht, seine Zeit mit diesen Dingen zu verbringen. Denn es ist sehr viel Zeit. Es ist sogar der überwiegende Teil unserer Zeit. Und manchmal ist es eben Zeit für Veränderungen. Das ist natürlich nicht einfach aber dafür immens wichtig. Ich kann mir kaum ein schlimmeres Gefühl vorstellen, als im Sterbebett festzustellen, dass man seine Zeit verschwendet hat und nie richtig glücklich war.
Und der richtige Zeitpunkt für nötige Veränderungen ist nicht der 1. Januar, der Geburtstag oder Ostern. Der richtige Zeitpunkt ist immer...Jetzt!

Und zum Schluss möchte ich mich natürlich auch noch an diejenigen wenden, denen stets die Sonne ins Gesicht scheint. Für Euch habe ich eigentlich nur eine Botschaft: druckt diesen Beitrag mit seinen amateurhaften Lebenshilfen aus, bastelt einen Papierflieger daraus und lasst ihn vom Balkon segeln. Wir haben früher die Papierflieger immer noch in Brand gesetzt. War sehr lustig, wenn die dann samt Feuerschweif durch die Luft gesegelt sind. Ihr solltet aber aus Sicherheitsgründen darauf achten, wo genau der Feuerball landen wird...sonst könnte es doch noch zu Problemen kommen.
Na ok, vielleicht doch noch ein tiefgründiger Tipp: auch wer glücklich und zufrieden ist, kann früher oder später auf Schwierigkeiten stoßen. Ist ganz normal. Aber bitte: schmeißt dann nicht alles hin. Scheinbar war doch bislang alles richtig und gut. Zweifelt nicht daran, nur weil es einen Moment lang mal nicht so gut scheint. Wertet derartige Vorkommnisse lieber als kleine Prüfsteine.
Etwas grundsätzlich Gutes nicht zu ändern, wenn es gerade mal nicht so gut läuft, ist manchmal genauso schwer, wie Dinge zu ändern, die grundsätzlich schlecht laufen. Ich hoffe, Ihr könnt mir folgen. Sowohl in Sachen Verständnis als auch im Leben selbst.

Lange Rede, kurzer Sinn: ich wünsche Euch allen ein gutes neues Jahr! Nutzt die "neue" Zeit so gut es geht. Macht viel Sinnvolles aber auch Sinnfreies. Gerade die sinnfreien Momente sind oft die besten.
Ich wünsche Euch für alles, was kommen mag oder was Ihr Euch vorgenommen habt viel Glück, Spaß, Mut, Kraft und Geduld. Je nachdem, was gerade gefragt ist.
Bleibt gesund und genießt die Zeit!

Kommentare:

  1. Mal ein etwas anderer Rückblick. Gefällt mir gut! Ich wünsche dir ebenfalls ein frohes neues Jahr! :-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Moin Maribel!

      Vielen Dank...für beides :)

      Löschen

Danke für Dein Interesse!
Hier kannst Du Deine Meinung zum Thema, dem Post oder Blog los werden. Ich freue mich über jede Art von Feedback, also bitte keine Hemmungen. Aber immer schön freundlich bleiben...