Ein Blog aus Hamburg über Hamburg. Eine humorvolle Betrachtung des alltäglichen Treibens. Es geht um die Menschen und die Ereignisse in der Hansestadt. Die komischen Menschen und die komischen Ereignisse. Kleine Ereignisse in der großen Stadt. Leise Töne in einer lauten Umgebung. Amüsant, unterhaltend, manchmal wirr. Eben 'Tüdelkram from Hamburg'.



22. Januar 2013

Nouvelle Cuisine is´ mir doch Lachs!

Heute wird es Kulinarisch. Und da das Oberthema dieses Blogs Hamburg ist, schwant dem Leser vermutlich schon, worum es nun geht: Labskaus!

Um aber gleich mal zu Beginn eines klarzustellen: Hamburg ist für Labskaus zwar berühmt und berüchtigt, jedoch wird dieses Gericht in ganz Norddeutschland serviert. Auch in Teilen Skandinaviens und sogar Englands. Und Labskaus wurde auch nicht in Hamburg erfunden.

Es handelt sich hier um ein reines Seemannsgericht, das seinen Ursprung also auf den Schiffen der Sieben Weltmeere hat. Daher kommt auch der sehr unschöne Spitzname „Matrosenkotze“, was aber in Anbetracht der Entstehungsgeschichte sowie beim Anblick einer Portion dieser Köstlichkeit durchaus verständlich ist (siehe Beweisstück A).

Beweisstück A

Ähnlich des Ursprungs ist auch die gesamte Geschichte des Labskaus‘ eine Geschichte voller Missverständnisse. Wer jetzt durchaus zu Recht pikiert ist, weil ich in einem Bericht über Essen doch recht deutlich, in Form einer Anspielung auf einen bekannten Hygieneartikel für Damen, eher unappetitliche Körperfunktionen anspreche (ist das schon frauenfeindlich?), dem sei nochmals gesagt, dass der Anblick einer Portion Labskaus nun mal unweigerlich Assoziationen mit verschiedenen, unschönen Körperfunktionen zwangsläufig mit sich bringt.

Ein weiterer Irrglaube ist, dass in Labskaus Fisch enthalten ist. Ok, ich gebe zu, dass es viele verschiedene Labskaus-Rezepte gibt und bei dem einen oder anderen tatsächlich vorgesehen ist, den Fisch unterzurühren, aber generell liegt das „Hamburger Sushi“ doch eher als Beilage daneben. Einzige Zutaten sind normalerweise Pökelfleisch (bzw. Rindfleisch oder Corned Beef), Kartoffeln, Rote Beete, Zwiebeln und ein paar Gewürze, in erster Linie aber lediglich Salz und Pfeffer. Fertig! Wenn der ganze Kram dann zusammen geworfen und zu Brei püriert worden ist, serviert man es dann am besten mit einem Matjes- oder Bismarckhering, 1-2 Spiegeleiern und Gewürzgurke(n). Kleiner Tipp an dieser Stelle für Labskaus-Anfänger: mit den Spiegeleiern kann man unter Umständen die komplette Portion abdecken (bzw. verstecken) und verschreckt die Essensgäste nicht sofort. Außerdem sollte man nicht mit der Roten Beete geizen. Je weniger davon, umso eher nimmt das Labskaus eine blass-braune Farbe an…schmeckt immer noch genauso gut, aber es ist vermutlich überflüssig zu erwähnen, dass die bereits weiter oben erwähnten Assoziationen mit gewissen Körperfunktionen dadurch nur verstärkt werden.

Aber genug der bösen Worte über das Aussehen dieser wirklich leckeren Speise. Ich will lieber noch mal näher ergründen, warum Labskaus (trotzdem) so beliebt ist. Zum einen sicherlich, weil es ein sogenanntes „Arme-Leute-Essen“ ist. Sowas wirkt ja immer irgendwie sympathisch. Wenn beispielsweise jemand davon schwärmt, wie lecker doch letztens die „Foie Gras“ mit dem Wintertrüffel war, dann reagiert der durchschnittliche Zuhörer einer solchen Anekdote ja doch eher pikiert, in Anbetracht der Prahlerei eher reserviert oder komplett ahnungslos. Und sollte der Zuhörer wissen, dass es sich dabei um die sehr umstrittene Delikatesse „Stopfleber“ handelt, möglicherweise auch noch angewidert. Wer aber von Labskaus erzählt, hat die Sympathien auf seiner Seite. Das ist was Einfaches und Billiges. Wer von Labskaus erzählt, will gewiss nicht angeben. Das kommt an.

Wenn ich es mir genau überlege, lässt sich der Erfolg von Labskaus an einem anschaulichen Beispiel erklären: Labskaus ist der Franck Ribery der norddeutschen Küche! 
Zunächst einmal bitte ich darum, Herrn Ribery in diesem Zusammenhang nicht als Spieler einer süddeutschen Fußballmannschaft zu betrachten, sondern mehr als französischen Ausnahmeathleten. Passt ja auch gerade so schön zum 50. Jubiläum des Elysée-Vertrags.
Wenn wir nun beides gegenüberstellen, sind die Gemeinsamkeiten nahezu erschreckend: Labskaus ist in der Herstellung sehr günstig, Franck Ribery war in der Herstellung ebenfalls sehr erschwinglich (selbst wenn man die Anmietung eines Hotelzimmers und das geplatzte Kondom als Kosten verbuchen würde…wenn es denn überhaupt so geschehen ist). In der Optik tun sich beide nichts, da kann man getrost ein „mangelhaft“ vergeben. Wenn Aufmachung und „Beilagen“ stimmig sind, schaffen es beide vielleicht zu einem „ausreichend“. Die Effizienz bzw. Erfolgsquote ist dann bei beiden extrem gut. Labskaus sättigt ohne Ende (was für ein Essen sicherlich eine der Hauptaufgaben ist) und Ribery hat für gewöhnlich eine äußerst gute Lauf-, Pass- und Torquote (was wiederum einige der Hauptaufgaben eines Mittelfeldspielers sind). Und dann gibt es natürlich noch das ebenso wichtige Kriterium „Geschmack“. Beim Labskaus ohne Zweifel mehr als erfüllt (oder auch 1 Plus mit Sternchen), bei Franck Ribery…nun ja, da müsste man genau genommen wohl eher seine Ehefrau oder wahlweise irgendeine minderjährige Prostituierte befragen.

Zu guter Letzt möchte ich noch auf folgenden, außergewöhnlichen Zufall hinweisen: Ribery hatte seinen ersten Einsatz für die französische Nationalmannschaft am 27.05.2006 in einem Testspiel gegen Mexiko. Somit war das erste große Turnier für den Franzosen die Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Sein allererstes Tor für die „Équipe Tricolore“ erzielte er dann in der Achtelfinalpartie dieses Turniers gegen Spanien (Endstand 3:1 für Frankreich). Diese Partie fand am 27.06.2006 in Hannover statt. Diese Stadt ist in Deutschland überwiegend bekannt für ihren Bundesligaclub Hannover 96 (wofür auch sonst?). Was viele vielleicht nicht wissen: der offizielle Name dieser Mannschaft lautet „Hannoversche Sportverein (HSV) von 1896 e.V.“. Aufgrund dieses offiziellen Titels bzw. der Abkürzung bezeichnet man Hannover 96 auch gerne als „kleinen HSV“. Außerdem besteht aus eben diesem Grunde eine Fanfreundschaft mit dem „großen HSV“, also dem einzig wahren HSV…dem Hamburger SV…aus Hamburg…LABSKAUS! Beweisführung abgeschlossen.

In diesem Sinne: Bon appétit!


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